Günderrodeschule
Musikalische Grundschule
Frankfurt am Main
Der Zirkus ist da - 125 Jahre Günderrodeschule
Ein Bericht unserer Lesepatin Martina Dreisbach
Popcorn auf dem Pausenhof und ein Zirkus mit 437 Artisten zum 125. Jubiläum der Günderrodeschule
Achtung! Die Musik schwillt an. Alle Augen richten sich in die Mitte der Halle. Ein Helfer stellt das Marterwerkzeug in die Mitte der Manege des „Zirkus Soluna“. Jetzt tritt der Fakir aufs Nagelbrett. Die Zuschauer halten den Atem an, schauen gebannt auf sein Gesicht. Die Luft zittert. Aber der Schüler im schwarzgoldenen Dress zuckt nicht mit der Wimper. Erleichterung, Beifall. Der nächste Schüler legt sich bäuchlings aufs Nagelbrett, ein anderer steigt barfuß in die Glasscherben. Die Luft vibriert, Spannung auf den Bänken und dahinter, wo sich Eltern, Geschwister, Omis und Opis drängen. Geschafft, unter Beifall zieht die Truppe ab. Vorstellung geglückt, das Training mit den Zirkuspädagogen in der Projektwoche hat sich gelohnt.
Das große Fest zum großen 125. Geburtstag der Günderrodeschule läuft wie am Schnürchen. Weiter geht es mit der komplizierten Leiterakrobatik, ein Meisterstück, hier kommt es auf jeden einzelnen Schüler an. Wie gut sie das schaffen. Dann das Kugellaufen, hoch fliegt das Diabolo, geschickt fangen die Schüler es wieder auf. Lufttücher schwingen. Wie im echten Zirkus. Die Clowns mit Perücken und Riesenbrillen. Das Publikum klatscht, es jubiliert. Und Freiherr Friedrich Maximilian von Günderrode, der Namensgeber der Grundschule an der Hufnagelstraße im Gallusviertel, würde Augen machen. Kann Schule wirklich so schön sein?
Und ob! Sie kann! 437 Kinder aus 46 Nationen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern machen Zirkus zum 125. Schuljubiläum. Manches war im Jahr 1901 schon genauso wie heute: Die Tram fuhr fast bis zur Tür; der Zaun dürfte, wenn auch etwas ramponiert, derselbe sein. Das Gebäude hat den Krieg überstanden. Die Kinder treten immer noch im Alter von sechs Jahren mit einem großen Ranzen an und verlassen die Penne vier Jahre später viel klüger. Manches hat sich geändert: Sie können alle Deutsch sprechen, sie können lesen, schreiben und rechnen; sie haben gelernt zu fragen, zu diskutieren und Streit beizulegen.
Sie haben erfahren, dass die Schule ein verlässlicher Ort ist. Wie es früher war, dass es damals einen Rohrstock gab, dass Ohren lang gezogen wurden und wie das mit der Disziplin war, das steht neben den Grußadressen allfälliger Frankfurter Amtsträger in der schönen Festschrift.
Die wird für zwei Euro auf dem Hof verkauft. Hier duftet es am Freitag, dem 17. April, unter einem strahlend blauen Himmel nach Popcorn wie im Kino. Mütter verkaufen knusprige Brezeln und Kreppel im Dutzend, Limo in Flaschen. Die Bücher bleiben an diesem Festtag geschlossen (und werden auch nicht vermisst).
Wer zu einer der vier Zirkusvorstellungen in die Turnhalle will, muss sich erst einmal die blauen Plastiküberzieher über die Schuhe streifen. Das sieht auch lustig aus, denn alle stapfen raschelnd in die Halle. Auch der Oberbürgermeister Mike Joseph, der solche Schulgeburtstags-Termine offenbar liebt. Der Zirkus, für den Schüler und Lehrer eine Woche lange geprobt haben, gefällt ihm. Das sieht man seiner frohen Miene an, hört man auch seiner kurzen Rede an, die mit Dank an alle Mitwirkenden, mit Bewunderung für den unterhaltsamen Zirkus, aber auch für die Arbeit der Lehrkräfte und anderen Unterstützern der Kinder gespickt ist.
Vergessen ist jetzt das unerfreuliche Gerangel um eine größere Halle, das Haus Gallus verweigerte sich erfolgreich. Aber die Schulleiterin Birgit Kron, die hier seit 15 Jahren im Amt ist, und ihr Kollegium waren um eigene Einfälle nicht verlegen. Der Festakt entfiel. Das Fest zum 125. Schulgeburtstag aber sollte grandios werden. Voilà: Welch ein Abenteuer, welche Talente werden offenbar. Wie geschickt die Kinder sind. Welche Mimik sie auf ihre Gesichter zaubern. Und wie der Zauber des Zirkus auf sie wirkt. Wie hübsch das Sternenpuder auf Mädchenantlitz strahlt. Wie sie alle gemeinsam in ihren Gruppen bei der Sache sind.
Was vielleicht erst als Notlösung erschien, die vier Vorstellungen hintereinander, erweist sich jetzt als Glücksfall. Alle treten mehrmals auf. Die große Show ist nicht im Handumdrehen vorüber. Noch aber läuft der Zirkus; immer wieder reihen sich am Seiteneingang die Kinder auf, warten auf ihren Einsatz. In der Festschrift 2026 finden sich Reminiszenzen ehemaliger Schüler. Um 18 Uhr ist auch Zirkus Soluna Erinnerung. Eine Leuchtende.
MARTINA DREISBACH
125 Jahre Günderrodeschule
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